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Ge Anderhubs Bilderwelt wird gesichtet und aufbereitet

Von Hans Beat Achermann (Text und Bild)

Auf dem Pult von Simon Meyer, Geschäftsleiter der Stiftung Fotodokumentation, liegt ein schwarzes Kästchen, eine Festplatte mit 5 Terabyte Speicherplatz. In dieser Blackbox lagern schätzungsweise 150 000 Fotos des letztes Jahr verstorbenen Luzerner Fotografen Georg „Ge“ Anderhubs. Dazu liegen im Staatsarchiv  aus der vordigitalen Zeit 20 Laufmeter Schachteln und Ordner. Wie organisiert und erschliesst man ein fotografisches Lebenswerk, das aus mehreren hunderttausend  Bildern besteht?

„Archivieren heisst vor allem weglassen“, sagt Simon Meyer, der eben einen ersten Arbeitsschritt hinter sich hat: Ein Findmittel für die 4500 digitalen Ordner, die Ge Anderhub selber angelegt hatte, zu erstellen. Doch das ist erst Vorarbeit: „Die eigentliche Sichtung beginnt dann 2017, anschliessend gilt es, ein Erschliessungskonzept zu erarbeiten und schliesslich geht es um die eigentliche Erschliessung.“  Konkret heisst das, dass Schwerpunkte aus dem vielseitigen Schaffen festgelegt werden müssen: Was ist lokalhistorisch bedeutsam? Welche Themen sind relevant für die Forschung? Was könnte bzw. muss der Nachwelt zugänglich bleiben? Schwerpunkte zum Beispiel sind Bilder, welche die Luzerner Theaterszene wiedergeben, sei es vom Luzerner Theater oder von den Luzerner Spielleuten, die Ge über viele Jahre fotografisch begleitet hat. Aber auch die Fotos zum Thema Musik oder die Serie über das Luzerner Original Emil Manser gehören dazu.

Bildrechte bei der Stiftung

Wenn die Schwerpunkte einmal festgelegt sind, beginnt die eigentliche Erschliessungsarbeit, die dann bis zum Einzelbild führt, das nach archivtechnischen Kriterien erschlossen wird mit Stichworten, Daten, Namen, Ortsangaben usw., um das Bild dann wiederauffindbar (und eventuell in einer Publikation) wiederverwertbar zu machen. „Alles, was spannend ist, wird erfasst“, erläutert Simon Meyer. Was bei den digitalen Bildern nicht unter das Kriterium „erhaltenswert“ fällt, wird „kassiert“, also gelöscht, oder einfach unbearbeitet gelassen. „Nicht, oder nur teilweise erfasst, werden wohl die ersten digitalen Bilder, da deren technische Qualität ungenügend ist.“

Georg Anderhub war selber Gründungsmitglied der Stiftung Fotodok. Bereits 2010 hatte er sich zusammen mit Simon Meyer Gedanken über den Nachlass gemacht und erste Archivierungsschritte vollzogen. So war es nach Ges Tod im Juli 2015 schnell klar, dass der Nachlass via Fotodok ins Staatsarchiv kommen würde. Im September 2016 wurden die Verträge unterzeichnet, mit denen alle Urheberrechte an die Stiftung übertragen wurden und Ende September war es dann soweit, dass das Material im Beisein von Pia Anderhub-Melliger, Tochter Barbara und Sohn Jonas offiziell der Stiftung übergeben wurde, so wie sich Ge das gewünscht hatte. 

Frühestens ab 2019 online

Die gesamte Erschliessungsarbeit dürfte zwei bis drei Jahre dauern, schätzt, Simon Meyer. Geleistet wird sie von Informations- und Dokumentationsfachleuten beim Staatsarchiv.  20 Stellenprozent stehen dafür zur Verfügung. „Die Gesamtkosten für die Aufarbeitung des Nachlasses beziffere ich auf etwa 100 000 Franken“, sagt Simon Meyer. Er hofft, dass nach  Abschluss der Erschliessung durch Copyright-Einnahmen oder durch den Verkauf von Originalabzügen an Ausstellungen und Drucken etwas Geld zurückfliesst. Die digital erfassten und beschlagworteten Bilder werden dereinst auf der Online-Plattform der Fotodok zugänglich sein, so wie die aus 45 000 Bilder ausgewählten 600 Fotos des 1977 verstorbenen Luzerner Fotografen Max A. Wyss. Wie viele Bilder von Georg Anderhub letztlich erschlossen werden, kann Simon Meyer noch nicht sagen. Sicher ist aber, dass durch die Übernahme des Nachlasses durch die Stiftung garantiert ist, dass sein hervorragendes fotografisches Werk nicht verloren geht.

12. Oktober 2016

Bild: Simon Meyer, Geschäftsleiter der Stiftung Fotodokumentation, mit der 5-Terabyte-Festplatte

Weitere Infos: http://www.fotodok.swiss/wiki/Erschliessungsprojekt_Ge_Anderhub