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#MitfahrenLuzern wäre auch sonst etwas Gutes

von Mario Stübi

Es muss immer zuerst «chlöpfen», bis sich etwas ändert. Oder warum hat die GLP bei den eidgenössischen Wahlen 2011 so abgeräumt? Nicht weil das Stimmvolk plötzlich grüner und liberaler gleichzeitig geworden wäre, sondern wegen der Atomkatastrophe in Fukushima einige Monate davor und weil die Partei am besten von allen dieses Thema für sich gepachtet und mit Lösungsvorschlägen gepunktet hat. Vor wenigen Tagen hat sich ein solcher Zusammenhang erneut gezeigt.

Während der Zugsentgleisung im Bahnhof Luzern haben sich aufmerksame Internetuser über den Hashtag #MitfahrenLuzern kurzerhand zu Fahrgemeinschaften per Auto zusammengefunden. Das ist löblich, aber doch etwas heuchlerisch. Löblich, weil Carpooling (so der englische Fachausdruck dafür) ein adäquater und vor allem äusserst kostengünstiger Weg zur Effizienzsteigerung unserer Strasseninfrastruktur ist. Heuchlerisch, weil das Interesse an dieser Form des Pendelns verschwunden ist, kaum hat der Zugsverkehr seinen Normalbetrieb wieder aufnehmen können.

Was bleibt davon? Hoffentlich mehr als nur ein «Schön, haben wir darüber geredet». Statt nach wie vor in die Planung und den Bau von milliardenteuren Strassenbauprojekten zu investieren, sollten wir zur Abwechslung andere Länder als Vorbilder nehmen. Die Plattform Blablacar hat in Frankreich und Deutschland beispielsweise bereits Zehntausende Nutzerinnen und Nutzer, die sich regelmässig online zu Fahrgemeinschaften zusammenfinden. In den USA gibt es auf den Highways Fahrspuren, wo nur Autos verkehren dürfen, die mehr als eine Person befördern, um Carpooling einen Vorteil zu verschaffen (weil hier meist kein Stau herrscht). Solche Konzepte müssen auch hierzulande politisch aufgenommen werden – und zwar jetzt und nicht erst, wenn der nächste Eurocity mitten in der Luzerner Bahnhofseinfahrt aus den Gleisen springt. 5. April 2017

Mario Stübi (32) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die IG Kultur Luzern.