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Die logische Logik

Von Karin Winistörfer

Ein leichter Schlag, die Tür geht auf. Es ist – wie so üblich – morgens um plusminus 6 Uhr. Der Kleine kommt rein, schlüpft in mein Bett. „Wiiterschlafe“, meint er. Ja, eigentlich logisch, um weiterzuschlafen kommt er mich wecken, statt in seinem Bett noch eine Runde Schlaf einzulegen.

Soll mal einer drauskommen bei der Logik der Kinder. Ich habs versucht und über ein paar Tage notiert, was da so alles zusammenkommt. Gern geb ich einen kleinen Einblick in diesen Fundus:

Bereits zum Klassiker geschafft hat es die an die Eingangs-Szene anschliessende: Nach einigen Minuten „wiiterschlafe“ steuert der Junior aufs Wohnzimmer zu, macht das Licht an und dimmt es so sehr, dass man kaum mehr was sieht. „Süsch hueschte“, meint er. Jeden Morgen. Und hustet demonstrativ rum. In die gleiche Kategorie reiht sich die Aussage gegenüber seiner älteren Schwester ein: „Geh weg, sonst habe ich Bauchweh.“ Vielleicht eine neue Verteidigungsstrategie fürs Spielzeug? Auch öffnet er bei seiner Jacke die Ärmellaschen, weil er sonst stürze.

Der Kleine weiss sich auch gut zu helfen. Zum Beispiel bei technischen Problemen. „Elefant lose“ – das Musikstück über einen Elefanten – ist nicht möglich, da es die Anlage wegen fehlender Internetverbindung nicht abspielen kann. „Füürwehr hole“, meint er. Das seien starke Männer, die könnten den Elefanten herbringen. „Süsch Polizei, grossi Manne.“ Hmm, vielleicht müssten wirs mal so versuchen?

Womit nicht gesagt sei, dass die Grössere punkto Logik hintanstehen müsste. So erzählte sie mir mehrmals, es sei für Kinder nicht gut, wenn sie nachts wegen Albträumen Angst hätten. Deshalb sollten sie zum Mami gehen. Bei Erwachsenen aber sei es egal, wenn sie sich in der Nacht fürchteten. Immer diese Benachteiligung Erwachsener! Apropos Benachteiligung: Zurzeit ist ein kleines birnenförmiges lilafarbenes Plüschtier namens Barbarella der Renner. Gestern Abend meinte die Tochter: „Lege bitte Barbarella nicht aufs Gesicht, sonst kann sie nicht mehr atmen. Bei den anderen Plüschtieren ist es egal, die leben nicht.“

So, Zeit für einen Perspektivenwechsel. Lassen wir, rein gedanklich, die Kleinen mal meine Logik überprüfen. Wieso, bitte sehr, soll man nach dem Essen die Zähne putzen? Der Hinweis auf Karies und anschliessende Zahnarztbesuche ist komplett überflüssig. Denn dort gibt’s ein hübsches Plüschkrokodil mit Riesen-Zähnen sowie zum Abschied ein Geschenk. Wenn man grad intensiv am Spielen ist: Warum bloss muss man ausgerechnet dann Windeln wechseln? Nasse Kleider, üble Gerüche? MICH stört nichts. Und aus welchem Grund muss ich bereits um 21 Uhr heim, wenn ich bei unseren Nachbarn ein aus vielen Einzelteilen bestehendes Kunstwerk neu zusammensetze? Ich habe doch gerade erst damit angefangen!

Und nur, weil dies unter uns bleibt, eine Begebenheit aus meiner Kindheit. Ich war etwa 8, als ich beschloss, fortan nach dem Händewaschen die Hände einzuseifen. Dann müsste ich es vor dem nächsten Händewaschen nicht mehr tun. Sie müssen nicht dreimal raten, um herauszufinden, wie oft ich dies so praktiziert habe. Nüchtern gesehen müsste man auch ein – oder eher mehrere – Fragezeichen setzen hinter meine Aussage, die ich bis zum heutigen Tag recht häufig einsetze: „Hophop, Kinder, los jetzt, es eilt. Sonst haben wir im Schwimmbad zu wenig Zeit zum Spielen und Entspannen.“

Von daher würd ich sagen: Zum Glück ist meine Logik so komplett logisch. Logo, nicht?
10. Januar 2015

Zur Person
Karin Winistörfer
, geboren 1974 in Biel, ist ab September 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Verwaltung im Bereich Bildung und Kultur. 2001 schloss sie ihr erstes Studium der Geschichte und Soziologie mit dem Lizentiat ab. Danach war sie bis 2012 Journalistin und Redaktorin im Ressort Kanton bei der Neuen Luzerner Zeitung (Schwerpunkte Politik, Hochschulbildung, Gesundheit/Spitäler, Strommarkt, Gemeinden). 2012 bis 2014 absolvierte sie an der Universität Luzern den Master of public opinion and survey methodology. Karin Winistörfer wohnt mit ihrem Lebenspartner und ihren zwei kleinen Kindern in der Stadt Luzern.