Möglichst lange selbständig wohnen

 

Von René Regenass

Anfang Januar hat die Stadt Luzern an der Obergrundstrasse 1 – dort sind auch die Einwohnerdienste und die AHV-Zweigstelle – eine Anlaufstelle Alter eingerichtet. Sie bietet älteren Menschen und ihren Angehörigen unabhängige Informationen und falls notwendig Unterstützung. Das Ziel der Hilfe ist klar: Die Betagten sollen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung wohnen können.  

Anhand von zwei Beispielen machte Evelyne Schrag, die Leiterin der Anlaufstelle Alter, deutlich, in welche Richtung ihre Vermittlungsarbeit geht:
- Durch die Vermittlung einer Haushilfekraft konnte eine Frau, die ihren Mann zu Hause pflegt, entlastet und unterstützt werden.
 - Bei einem Hausbesuch konnte die Anlaufstelle einer alleinstehenden Frau mit  eingeschränktem sozialem Umfeld, die sich viel alleine fühlt, Kontakte zum Sozialdienst einer Pfarrei vermitteln.

Für Evelyne Schrag (Bild oben) ist der Start gelungen. Positiv bewertet sie auch die Kontaktaufnahme mit den Schnittstellen wie Pro Senectute, Rotes Kreuz und Sozialdienste der Kirchen. Sie werden in vielen Fällen zweite Anlaufstelle von älteren Menschen sein, die an der Obergrundstrasse Rat holen. Auskünfte werden telefonisch oder per Email erteilt, persönliche Besprechungen können vereinbart werden und auch zu Hause stattfinden.
Drei Beraterinnen mit 170 Stellenprozenten arbeiten auf der Anlaufstelle. Neben Evelyne Schrag sind es Tina Sidler und Karin Kunz, alle mit Pflegefachausbildung. Die Stadt rechnet mit einem Aufwand von 210‘000 Franken pro Jahr für die neue Einrichtung, die vom Grossen Stadtrat am 1. Juni 2017 genehmigt worden sind. 

Fragebogen an alle 75Jährigen versandt
Im Dezember und Januar hat die Sozialdirektion gegen 700 Briefe mit einem Fragebogen an Personen des Jahrgangs 1943 verschickt und sie darin informiert, dass die neue Anlaufstelle Alter sie „bei der Förderung und beim Erhalt der Selbständigkeit sowie beim selbstbestimmten Wohnen im Alter unterstützen könne. Hierzu bieten wir Ihnen auf Wunsch eine unabhängige, kostenlose Beratung bei Ihnen zu Hause an.“ Dem Brief war ein Fragebogen beigelegt, der Frauen und Männer helfen soll, die Notwendigkeit einer Kontaktaufnahme einzuschätzen. Wenige dieser Fragebogen sind zurückgekommen. Paolo Hendry, Leiter der Abteilung Alter und Gesundheit relativiert: „Die Rücklaufzahl allein ist nicht massgebend. Wichtig ist die Zahl der Beratungen. Der Brief ist nur ein Element, um Kontakt zu schaffen.“ (Der Fragebogen kann auf der Website (siehe Schluss) eingesehen und heruntergeladen werden).

Hilfe zur Selbsthilfe
„Die neue Anlaufstelle weiss Rat, sie kann Unterstützung vermitteln und leistet Hilfe zur Selbsthilfe“, sagte Stadtrat und Sozialdirektor Martin Merki an der Medienorientierung. Wenn es gewünscht wird, gehen die Beraterinnen auch auf Hausbesuche, um an Ort und Stelle zu spüren und zu sehen, was der betagte Mensch wirklich braucht.  

„Die Vermittlung von Kontakten zu andern Institutionen steht im Zentrum der Aufgaben. Wir denken nicht an längere Betreuungsphasen der Menschen, die mit uns in Kontakt treten“, sagt Paolo Hendry. Und weiter. „Die Selbständigkeit der alten Menschen soll gestärkt und somit verlängert werden“, sagt Paolo Hendry. Dieser Service ist in Luzern von Bedeutung, weil die Hälfte der über 90Jährigen Luzernerinnen und Luzerner noch zu Hause wohnt. Wenn das Ziel der Erhaltung von Selbständigkeit nur bei einem Teil von ihnen erreicht werden kann, hilft dies Kosten zu sparen, weil ein Heimeintritt erst später oder vielleicht gar nicht notwendig wird.
www.anlaufstelle-alter.stadtluzern.ch

Mail: anlaufstelle-altear@stadtluzern.ch

30. Januar 2018