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"Die älteren Bewohner brauchen das Trottoir für ihre Sicherheit"

Das Trottoir wird zunehmend durch andere Nutzungen beansprucht, auch in Luzern. Mit einer Petition will Fussverkehr Schweiz diesen Trend stoppen.

Von Beat Bühlmann

"Das Trottoir ist den Fussgängern, der Radweg den Radfahrern vorbehalten." So steht es in Artikel 43 des Strassenverkehrsgesetzes. Im Alltag wird diese Regel oft geritzt. Zum Beispiel von uneinsichtigen Velofahrern, die auf das Trottoir ausweichen. Von Jugendlichen und Erwachsenen, die mit Elektro-Trottinettes, Segways und Skateboards unterwegs sind. Oder von Autofahrern, die auf dem Trottoir parkieren, um schnell eine Zeitung im Kiosk zu kaufen oder das Postfach zu leeren. Wer in der Stadt Luzern zu Fuss unterwegs ist, erlebt das fast jeden Tag. Kommt dazu, dass der Bundesrat künftig Jugendlichen bis zwölf Jahren erlauben will, auf dem Trottoir Velo zu fahren - statt wie heute für Kinder bis zu acht Jahren. Damit werde das Fahrverbot auf dem Trottoir ausgehebelt. Mit der Folge, dass immer mehr auch ältere Velofahrende das Trottoir als Fahrbahn benutzten - ohne Unrechtsbewusstsein.

Trottoir gehört den Fussgängern

Mit der Petition "Rettet das Trottoir" will Fussverkehr Schweiz diesen Trend stoppen. Das Trottoir gehöre Fussgängerinnen und Fussgängern, stellt er unmissverständlich klar. Thomas Hardegger, Präsident von Fussverkehr Schweiz, kritisiert auch die Verkehrsplaner, die In schwierigen Situationen und bei engen Platzverhältnissen dazu neigten, den Veloverkehr auf das Trottoir zu verlegen. "Dabei zählt die Schweiz immer mehr ältere Bewohner, die das Trottoir für ihre Sicherheit brauchen", hält der Zürcher SP-Nationalrat fest.  Jährlich verunfallen in der Schweiz im Durchschnitt 2340 Fussgänger und Fussgängerinnen, mit 60 Toten und 657 Schwerverletzten. Aufgeschlüsselt nach Altersgruppe zeigte sich, dass die kleinen Kinder und Personen ab 65 Jahren deutlich häufiger bei Unfällen schwer verletzt oder getötet werden, zu einem grossen Teil auf dem Fussgängerstreifen.

Doch auch die Nutzung der Trottoirs gibt politisch zu reden. So sorgte in Luzern der Vorstoss von SP und Grünen, das allgemeine Fahrverbot am Quai zwischen Luzernerhof und Verkehrshaus mit dem Zusatz "Velos gestattet" zu lockern, für heftigen Widerspruch; eine Petition der Regionalgruppe Luzern gegen dieses Begehren wurde von über 2000 Personen unterzeichnet. "Wenn der Quai heute vor allem zum Verweilen und Spazieren genutzt wird, ist es nicht sinnvoll, dort eine eine Veloroute zu legen", erklärte Thomas Hardegger damals in einem Interview mit Luzern60plus.

Die Petition "Rettet das Trottoir" enthält vier Hauptforderungen:
- Getrennte Wege für Fussgängerinnen und Velofahrende;
- Keine Velos auf Trottoirs (Ausnahme für Kinder bis 8 Jahre);
- Keine Spass- und Transportfahrzeuge mit Motor und Gehflächen;
- Schaffung von verständlichen und praxistauglichen Regelungen: Wer darf wo fahren?

Die Petition, deren Sammelfrist Ende September 2018 abläuft, wird vom Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband , procap und umverkehR unterstützt. Die Petition richte sich nicht gegen Velofahrer, sagt der Präsident von Fussverkehr Schweiz. Thomas Hardegger gehört selber dem Initiativkomitee für die eidgenössische Velo-Initiative an, die am 23. September zur Abstimmung kommt. Die Velo-Initiative verlangt, dass das Velofahren in gleicher Weise gefördert wird wie das Wandern. - 12.7.2018

beat.buehlmann@aluzern60plus.ch