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Tschuli Portmann – Galerist und Gastgeber an der Gibraltarstrasse

Auf dem Holztisch in seinem Galeriebüro liegt das Wahl- und Abstimmungscouvert, adressiert an Herrn Bruno Portmann. Bruno, so heisst er eigentlich, doch das wissen nur noch die Ämter. Seit der sechsten Klasse, also seit Mitte der fünfziger Jahre, ist er der Tschuli, immer mit tsch. „Vielleicht weil es in diesen Jahren einen Giuliano gab, einen sizilianischen Kriminellen, der das Geld von den Reichen klaute und es den Armen weitergab.“ Se non è vero, è ben trovato. Tschuli stellt Bilder aus und verkauft sie den Reichen und den weniger Reichen. Oder auch nicht. „Ob ich etwas verkaufe oder nicht, interessiert mich nicht als erstes, wenn ich eine Ausstellung plane.“ Das ist nicht gönnerhafter Idealismus: Es spiegelt Tschulis Liebe zur Kunst und zu den Menschen, die sie herstellen. Zwischen Gibraltarstrasse und Bruchstrasse liegt seine Kulturkeimzelle – die MINIGalerie. 50 Ausstellungen in den letzten acht Jahren sind es geworden. Fast 40 Jahre lang hat er zuvor als Hochbauzeichner gearbeitet, 27 Jahre im Architekturbüro von Peter Baumann am Kapellplatz, er war bei der Planung und Ausführung des neuen Luzerner Bahnhofs dabei. An seinem Handgelenk tickt eine Bahnhofsuhr mit rotem Lederband. Sie zeigt das ganze Jahr über Sommerzeit an. Tschuli Portmann mag die Winterzeit nicht. Überhaupt würde er am liebsten einen eigenen Kalender einführen, 13 Monate à 28 Tage, ergibt 364: „Die restlichen ein oder zwei Tage würden einfach nicht gezählt, wären allen zur freien Verfügung, ohne Datum“. Der neue Monat folgte auf den Juli: Juni, Juli, Tschuli...

Gastgeber der Kunstszene

Irgendwann hat er begonnen, Bilder zu kaufen. Später betrieb er eine kleine Bar, nur am Freitagabend geöffnet. Diese wurde schnell zum Treffpunkt vieler Freunde und Bekannten. 2004 wurde im selben Gebäude ein Raum frei, und Tschuli Portmann stellte darin Reisebilder von Anton Buob aus. Dabei sollte es nicht bleiben, denn wie die Bar wurde die neue Galerie schnell zum Treffpunkt einer lokalen Kunstszene. Man schaute bei Tschuli vorbei, trank Wein, politisierte, polemisierte und prustete.

Tschulis Vernissagen (und die Finissagen) sind „Events“, auch wenn er das Wort nicht mag. Zum fünfjährigen Bestehen seiner Galerie hat er mit seiner Tochter Yvonne, die Grafikerin ist, die Events in einem schönen Bildband dokumentiert. Da sieht man sie alle versammelt, rauchend, trinkend, gestikulierend, feiernd, Künstlerinnen und Künstler der Generation 50 plus, von den (inzwischen verstorbenen) Hofmann-Brüdern Godi und Werni bis zu François Bucher oder Irma Stadelmann. Ein buntes Künstlervolk, irgendwo mittendrin Tschuli, der Gastgeber, mit rotem Hemd und schwarzem Gilet, um den Hals geknotet das schwarze Tuch mit dem Edelweissmuster.

Verhinderter 68er

Die Kunstwelt ist seine Welt geworden, auch wenn das für den jetzt 70-Jährigen kaum so angelegt war. Aufgewachsen in einer Emmenbrückler Arbeiterfamilie mit Escholzmatter Wurzeln, wollte Tschuli Dekorateur werden. Sein damaliger Zeichenlehrer (und Theatermann) Josef Elias riet ihm ab („Das ist etwas für Mädchen“). Für die Buben war die Hochbauzeichnerlehre adäquater. Es blieb sein Brotberuf bis Ende der 90er Jahre, denn bereits mit 24 hatte er geheiratet, es kamen drei Kinder dazu. „Ich wäre sicher ein richtiger 68er geworden, aber als junger Familienvater kam ich nicht dazu“, blickt Tschuli schmunzelnd zurück. In der Rolle des Aufmüpfigen, Unangepassten hat er sich trotzdem immer wohlgefühlt. Apropos Rolle: Tschuli und die Luzerner Spielleute – das war eine weitere Leidenschaft: Sie ermöglichte ihm, auf den Brettern und „vor Publikum mich selbst zu spielen. Etwa zehn Mal habe ich mitgemacht“, erinnert sich Tschuli. Und nicht nur das. Er war auch hinter den Kulissen aktiv, hat seine Bauerfahrung eingebracht, hat den Spielleute-Pavillon geplant und mit der Stadt verhandelt.

Schacher-Seppli und Afrika

Mit Emmenbrücke verbindet ihn nur noch die Mitgliedschaft im SAC Gerliswil. Nächstes Jahr will er nochmals – zum zweitenmal - auf einen 4000er, auf das Breithorn. Auf dem Allalinhorn war er schon. „Der schönste Berg aber ist und bleibt das Matterhorn, gefolgt vom Pilatus“, findet Tschuli. Neben dem Bergsteigen und Skifahren („am liebsten in Zermatt“) haben er und seine Partnerin Francesca in den letzten zehn Jahren mehrmals Afrika bereist: Tansania, Botswana, Namibia, Südafrika. Vielleicht auch, um ein wenig der Enge zu entfliehen, die er überall antrifft: „Zuviel wird zugemüllt . Jede Poststelle, jede Bahnhofhalle, alles“, ereifert sich Tschuli Portmann. Je älter er werde, desto mehr könne er sich aufregen und ausrufen.

Das iPhone klingelt. Es ist die Melodie des Schacher-Seppli. Typisch Tschuli, denke ich: Da passiert immer wieder etwas Unerwartetes. Die Galerie bietet ihm weiterhin die Plattform dafür. Das Galerieprogramm für 2013 steht noch nicht. Es hat noch Platz für Ungeplantes.

Hans Beat Achermann, 18. November 2012