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"Wer sich erinnert, bleibt zukunftsfähig": die Philosophin Lisa Schmuckli.

Woran erinnert uns das Löwendenkmal?

Von Beat Bühlmann (Text) und Hans Beat Achermann (Bild)
Was bedeuten Erinnerungen für die Gesellschaft? Was für die Beziehungen der Generationen? Im vierten Teil der Lebensreise „Erinnern und Vergessen" sprach die Philosophin Lisa Schmuckli zum Thema. Das Referat im Wortlaut.

„Wer sich erinnert, bleibt zukunftsfähig." Unter diesen Titel stellte die Luzerner Philosophin Lisa Schmuckli das Referat zum Thema „Erinnern und Vergessen", das im Rahmen der diesjährigen Lebensreise im MaiHof stattfand. Sie kam zuerst auf die Notwendigkeit von Erinnerungen für eine Gesellschaft zu sprechen. Am Beispiel des Löwendenkmals, der Gründung des Roten Kreuzes und des Frauenstreiks vermochte sie aufzuzeigen, warum Erinnerungen für eine Gesellschaft nötig sind. Wir können sie zum Beispiel als Arbeit an der Gerechtigkeit verstehen. Oder wie beim Frauenstreik als Arbeit an der Politischen Vernunft, denn sie bedeutet, dass „der Prozess der Gesetzgebung und der Rechte niemals abgeschlossen ist", wie Lisa Schmucki ausführte.

Ein Gefühl der Zugehörigkeit
Erinnerungen gehören aber auch zu den Beziehungen zwischen den Generationen, sie sind nötig für den inter-generativen Dialog. „Der Austausch der Erinnerungen zwischen Grosseltern und Enkelkindern ermöglicht, dass die sozialen Fortschritte ganz konkret und sinnlich erlebbar werden." Und sie schaffen damit das Gefühl der Zugehörigkeit, denn im Erzählen erfährt der Grossvater oder die Grossmutter auch eine Anerkennung. Die inter-generativen Erinnerungen, so Lisa Schmuckli, erlauben jedoch auch eine Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Tod. „Erinnerungen setzen ein Zeit-Gefühl und ein Zeit-Verständnis voraus, das Kinder erst erfahren und erlernen müssen und mit denen ältere Menschen unmittelbar konfrontiert sind."

Im dritten Teil des Referats kam Lisa Schmuckli auf die subjektiven Erinnerungsgeschichten zu sprechen. Das Selbstbild eines jeden Menschen ähnle einer Ansammlung von Einzelbildern, das seien wahllose Schnappschüsse. Doch welche „Schnappschüsse", Bilder, Eindrücke, Erinnerungen bewahren wir in unserer Entwicklung? Welche werden vergessen, verdrängt? Und welche werden übermalt, verändert, idealisiert? Erinnerungen, so schloss die Referentin, „erweisen sich als Rück-Versicherung: wir versichern uns einer familiären, kollektiven und nationalen Vergangenheit, um uns so in der Gegenwart zu verankern." - Das Referat von Lisa Schmuckli im Wortlaut.

Der städtische Veranstaltungszyklus Erinnern und Vergessen wird nach dem Sommer fortgeführt. Andreas Kruse spricht am 18. September in zwei Referaten im MaiHof über „Resilienz und psychische Gesundheit – was wir von Johann Sebastian Bach lernen können" sowie über „Demenz – die Kunst des Vergessens". Am 25. September liest der Schriftsteller Alain Claude Sulzer im Hotel Beau Sejour aus seinem Buch „Die Jugend ist ein fremdes Land", und ab dem 2. Oktober folgen im Stattkino fünf Filme zum Thema Erinnern und Vergessen. – 20.6.2019
Der Flyer