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Wie frei sollen Ladenöffnungszeiten sein?

Unsere schweizweit restriktivsten Ladenöffnungszeiten sind ein politisches Dauerthema. Die einen wollen mehr Freiheiten, die anderen alles so belassen, wie es ist. Ich weiss nicht, was die beste Lösung für alle ist, also Gewerbler, Arbeitnehmende und die Kundinnen und Kunden. Aber die Verwendung des Begriffs Freiheit finde ich in diesem Zusammenhang fragwürdig.

 

Vor allem grosse Geschäfte wünschten sich mehr Freiheit bei der Gestaltung ihrer Öffnungszeiten. Das sei ein Kundenbedürfnis. Mag sein, aber wissen Sie, was Freiheit für mich als Kunde bedeuten würde? Wenn ich mich nach Öffnungszeiten richten könnte, an die sich alle halten würden.

 

Und damit meine ich nicht, dass Läden ihre Öffnungszeiten überzögen und länger offen hielten als gesetzlich erlaubt. Im Gegenteil: Sie öffnen später oder schliessen früher als möglich. Das liegt in der Freiheit der Geschäfte, beschränkt aber meine Freiheit als Kunde, denn ich kann nicht davon ausgehen, dass im Rahmen der Öffnungszeitenregelung sämtliche Geschäfte geöffnet haben, die ich zu betreten beabsichtige.

 

Beispiel Abendverkauf am Freitag: Nur ein geringer Anteil der Läden in der Altstadt hat während der Verlängerung von 18.30 und 21 Uhr überhaupt offen. Wollte ich dann ausgiebig shoppen gehen, müsste ich mich vorgängig mühsam von Website zu Website der entsprechenden Geschäfte informieren, ob sie Abendverkauf anbieten und wenn ja, wie lange. Soll das Freiheit sein?

 

Ich habe mitnichten das Bedürfnis, mich während Abendverkäufen dumm und dämlich zu kaufen. Aber aus Kundensicht wären geregelte Öffnungszeiten ein Segen, an denen sich alle Geschäfte orientieren müssten – ob die jetzt länger oder kürzer oder sonst wie anders sind als heute, würde mir nicht mal so eine Rolle spielen.

 

Mario Stübi (33) hat Kulturwissenschaften an der Universität Luzern studiert. Er ist freischaffender Redaktor und DJ und für die SP Grosser Stadtrat von Luzern. Er engagiert sich kulturell in diversen Vereinen und Gremien, aktuell für die SRG und die IG Kultur.